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... von Ihrem Expertling für eigentlich eh fast alles.


„Nachhaltige“ Kurzlebigkeit

Sollte nachhaltige Mode nicht vor allem auch langlebig sein?

Vor kurzem in einem kleinen Geschäft für nachhaltige Mode. Ich, mit leicht skeptischem Blick auf den zarten Stoff einer Hose: „Wie lange schätzen Sie, wird diese Hose halten?“ Die Eigentümerin: „Keine Ahnung aber unsere Kleidung soll ja vor allem modisch sein – Haltbarkeit ist uns nicht so wichtig.“

nachhaltig ≠ langlebig?

Bravepatschen Auch wenn solche Schuhe mehrere Jahre lang halten sollten, ist für sie danach unweigerlich Schluss. Konstruktions­bedingt wird keine Schuster sie neu besohlen können. Ich hab diese Hose dann nicht gekauft. Der Lerneffekt war kostenlos: Nachhaltigkeit ist jetzt ein Modetrend im Sinne von „irgendwie gut“; nachhaltig ≠ langlebig. Doch was bleibt dann von nachhaltig, wenn wir langlebig abziehen? Dass der Stoff aus „ökologischen“ Rohstoffen unter „fairen“ Bedingungen gewebt wurde? Das können wir nur hoffen. Dass kurzlebige Produkte den ökologischen Fußabdruck vervielfachen ist hingegen unmittelbar verständlich – um das zu erfassen, braucht es keine aufwändigen Zertifizierungen.

Beispiel Schuhwerk

Anscheinend gelten Schuhe, die drei Jahre lang gehalten haben und dann reif für die Mülltonne sind, schon als langlebig oder gar nachhaltig. Ich darf hiermit bekannt geben, dass es auch Schuhe gibt, welche nach Jahrzehnten regelmäßigen Gebrauchs noch in so gutem Zustand sind, dass das Ende ihres Gebrauchs­zykluses nicht absehbar ist. Der springende Punkt: Sie sind reparabel – können also von einem Schuster neu besohlt oder genäht werden. Das ist nicht nur gut für den Planeten sondern wie so oft auch für die eigene Geldbörse. Eine alle 3‑5 Jahre nötige Sanierung kostet zwischen 40 und 80 Euro, manchmal vielleicht auch eine Hunderter. Das ist aber noch immer weit billiger als ein neues Paar.

10 bis 15 Jahre dürfte dieses Paar auf dem Buckel haben. In der Zeit mussten sie aber zwei mal zum „Service“. Kauf und Reparatur konkret dieses Paares erfolgten beim „Mörzt“ in der Windmühlgasse (Wien-Mariahilf) Ein Paar schwarzer, rahmengenähter Halbschuhe.

Und die Hosen?

Um auf das Eingangsthema „nachhaltige Hosen“ noch einmal zurück zu kommen: Bisher haben sich nur die Produkte des schwedischen Outdoor-Ausrüsters Fjällräven bei mir bewährt. Auch wenn ich ein vergleichsweise uneitler Mensch bin, der sich nicht daran stößt ein bissl wie ein Waldschrat herum zu laufen, würde ich doch gerne auch noch die eine oder andere „feinere“ Hose erwerben. Für zweckdienliche Hinweise wäre ich dankbar!