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Orbyz im Praxistest: Plausibles Geschäftsmodell, fragwürdige Identifizierung

Ich beginne mich einzurichten auf der werbefreie Social-Media-Plattform Orbyz.

Tag 2

Vor drei Tagen hatte ich mich registriert. So gesehen ist »Tag 2« natürlich nicht ganz richtig und fasst zusammen, was sich seitdem zugetragen hat.

Bezahlmodell

Laut eigenen Angaben nutzt Orbys anfallende Daten weder für Werbung noch verkauft sie diese. »Die Plattform gehört den Nutzern und nicht einem Konzern.« Das klingt sehr gut – doch wie finanziert sich Orbyz dann? Offensichtlich durch Beiträge der Nutzer. Das erscheint mir plausibel und konsequent, also habe ich mich entschlossen für wohlfeile 90 Euro ein Halbjahresabo anzulegen. Innerhalb der ersten 30 Tage kann ich es auch noch kündigen.

Violettes Hackerl – wer ein solches bei seinem Profil haben will, muss zwar nicht extra bezahlen, aber eine Passkopie hochladen. Orbyz

Der Bezahlprozess ist einfach und überschaubar aufgebaut. Was ich jedoch vermisse, sind Zahloptionen abseits US-amerikanischer Anbieter. Europäische Firmen sollten eigentlich ein natürliches Interesse daran haben, die digitale Unabhängigkeit auch in diesem Punkt zu unterstützen. Neben einer einfachen SEPA-Überweisung oder Lastschriftverfahren, fiele mir noch Wero ein, ein Produkt der European Payments Initiative (EPI). Vielleicht möchte Orbys diese ja in Zukunft anbieten?

Identifizierung mittels Passkopie, eine ganz schlechte Idee!

Auf Orbyz schreiben die meisten Benutzer unter ihrem richtigen Namen, nicht mit Pseudonym. Ich kann damit sehr gut leben – schon alleine weil sich damit gar nicht erst die Illusion einstellt, man könne anonym publizieren. Das ist ja spätestens mit der breiten Verfügbarkeit von KI-Systemen nicht mehr realistisch.

Um sich gegenüber der Plattform auszuweisen, also nachzuweisen, dass ich jene Person bin, die ich vorgebe zu sein, soll ich eine Passkopie hochladen. Das ist ein ganz schlechte Idee: Denn nun ist Orbyz im Besitz dieser Kopie und könnte jederzeit und beliebig oft bei anderen Plattformen, die ähnlich schleißig die Identität prüfen, ein Konto in meinem Namen anlegen. Damit provozieren solche Aufforderungen geradezu den Identitätsdiebstahl. Es gibt dafür so viele bessere Verfahren Die EID, in Österreich als ID Austria umgesetzt wäre ein sicheres, etabliertes Verfahren. Aber auch die von Mastodon gewählte Variante, sich über den eigenen Webauftritt auszuweisen, ist jedenfalls besser, als Ausweiskopien zu hinterlegen. , dass ich mich schon sehr wundern muss, warum Orbyz genau dieses Verfahren gewählt hat.

Nichtsdestotrotz bin ich nun beglaubigter und zahlender Kunde und Teilnehmer auf Orbyz. Damit stehen mir Funktionen, wie der nach meinen Wünschen gestaltbare Algorithmus, zur Verfügung. Den werde ich mir die nächsten Tage ansehen und dann wieder hier berichten.

Quellen

Udo Schneider. KI und das Ende der pseudonymen Online-Identität 🌐

Dieser Artikel ist Teil der
Serie Orbyz

  • 03.03.2026 Erster Blick auf Orbyz
    Eine werbefreie Social-Plattform mit Mut zu AI und eigenem Algorithmus.
  • 06.03.2026 Orbyz im Praxistest: Plausibles Geschäftsmodell, fragwürdige Identifizierung
    Ich beginne mich einzurichten auf der werbefreie Social-Media-Plattform Orbyz.

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