Varia

... von Ihrem Expertling für eigentlich eh fast alles.


Diskutieren über den Klimawandel

... oder warum Autos in der Stadt eher fehl am Platz sind.

Räumung des Potestcamps an der Hausfeldstraße Foto: System Change Not Climate Change Polizeiabsperrung, im Bild rechts davon sitzt ein Mensch mit Maske und Schild: Öffiliebe statt Klimakrise

Es ging um die „Lobaubesetzung“ - genauer gesagt, um die Räumung des Protestcamps welches den Bau der Stadtstraße verhindern sollte. Wir befinden uns auf fragnebenan.com, einem österreichischen sozialen Nachbarschaftnetzwerk.

Auftritt pin15399: „Völlig unglaubwürdig diese Klimachaoten. Erst wenn sie sich ernsthaft an jene 10% heran machen, die 40% der Klimagase verursachen, können sie ernst genommen werden. Ansonsten sollen sie bitte woanders hingehen, um Winnetou und Old Shetterhand zu spielen.“ Er bezieht sich damit vermutlich auf eine Studie des Vereins Oxfam, die festgestellt hat, dass Superreiche überdurchschnittlich viel zum Treibhauseffekt beitragen. In dem Ton geht es weiter - klar, dass dabei für niemanden neue Erkenntnisse herauskommen und keine Kommunikation im engeren Wortsinn passiert.

Dabei ist das Thema „Autos in der Stadt“ im Prinzip sehr einfach:

  • Autos brauchen zum Fahren, Rangieren und Parken sehr viel mehr Platz, als jede andere Form der Fortbewegung. Platz ist in Städten - das liegt in deren Natur - rar und damit kostbar. Raumgreifende Fortbewegungsarten sind daher grundsätzlich einmal fehl am Platz.
  • Die Wege sind in Städten - auch das liegt in deren Natur - vergleichsweise kurz. Diese können leichter zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden als am Land.
  • Öffentliche Verkehrsmittel können in Städten effizient betrieben werden.

Bis hierher reden wir von Fakten. Nun folgt die Interpretation.

Der Klimawandel, also die menschgemachte Erderwärmung ist ein willkommener Anlass zugleich aber auch zwingender Grund, den Straßenverkehr vor allem in den Städten zu reduzieren. Nirgendwo sonst, gibt es so viele gute Gründe den Autoverkehr zu reduzieren, als wie in den Städten.

Warum vor allem in den Städten? Weil es hier auch unabhängig vom Klimaeffekt viele gute Gründe für weniger Autos gibt. In einer solchen Situation ist es wenig sinnvoll, breite Straßen auf Kosten der Allgemeinheit zu errichten, um den Bürgern dann auszurichten, dass sie besser auf’s Auto „verzichten“ sollten.

Einwände und Ausreden

Nicht ich, sondern die Reichen sind schuld am Klimawandel.

Global betrachtet sind die, die solches sagen, sicherlich nicht arm. Weiters liegt es auch ein wenig in der Natur der Sache, dass jene, welche absurd viel besitzen, auch absurd viel verbrauchen. Das naheliegende Ziel, für mehr Gerechtigkeit bei Vermögen und Einkommen zu sorgen, ist ein hehres. Es als Ausrede zu benutzen hingegen billig.

Die Flugzeuge sind schuld - nicht mein Auto

Der Beitrag des Flugverkehrs zur globalen Erwärmung liegt weltweit bei ca. 5%, in der EU sind es 13,4%. Der Straßenverkehr steuert in der EU 72% bei. Quellen: Wikipedia, Europäisches Parlament Allerdings besteht beim Flugverkehr ein sehr viel größerer Hebel. Eine Steigerung oder Reduktion des Flugverkehrs wirkt sich stärker aus als Veränderungen des Straßenverkehrs. Außerdem sind Flüge eher nicht notwendig, wohingegen der Straßenverkehr eher durch Notwendigkeiten verursacht wird. Angesichts der dramatischen Entwicklung bei der Erderwärmung muss beides reduziert werden, der Flugverkehr genauso wie der Straßenverkehr. Auf Grund seines hohen Anteils an klimawirksamen Gasen ist der Straßenverkehr aber sicherlich nicht auszunehmen sondern vorrangig zu behandeln.

Die Verantwortlichen werden schon wissen, was sie tun - die Klima-Protestanten sind eine Minderheit mit totalitären Zügen.

Bisher wurde noch jeder gesellschaftliche Fortschritt von einer Minderheit ins Rollen gebracht. Sich mit Minderheitenmeinungen ernsthaft auseinander zu setzen, ist für den Fortschritt und damit das Überleben einer Gesellschaft unabdingbar. Freilich ist nicht jede Minderheitenmeinung nobelpreisverdächtig und schon gar nicht sofort und auf der Stelle umzusetzen. Allerdings sind Argumente, vor allem wenn diese auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, besonders sorgfältig abzuwägen - gerade dann, wenn sie im Widerspruch zu gängigen Überzeugungen stehen.

Ich hab da eine Studie gelesen, die ganz etwas anderes behauptet. Es gibt auch Wissenschaftler, die das anders sehen.

Ja eh - für die weitere Kommunikation wäre es aber sinnvoll, diese Studien und Wissenschaftler namhaft zu machen.

Der Philosoph XY meint aber …

Ja eh - nur was meint er denn? Die Nennung irgendwelcher Namen ersetzt nicht die Formulierung des vermeintlich Verstandenen in eigenen Worten.

Schlussfolgerungen

Eine sachliche Auseinandersetzung erfordert einerseits, Fakten fein säuberlich von Meinungen und Glaubensvorstellungen zu trenne. In einem zweiten Schritt kann dann diskutiert werden, welche Ziele wir als Gesellschaft verfolgen und welche Maßnahmen dazu passend wir setzen wollen, um die intendierten Ziele zu erreichen.

Wer seine eigenen Meinungen nur bestätigt sehen will, ist in einer solchen Diskussion aber von Anfang an falsch. Kommunikation bedeutet Ausgleich - das unreflektierte Festhalten an Überzeugungen steht dem Ausgleich naturgemäß im Wege.