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Wie der überwachungskapitalistische Komplex funktioniert
Von Tracking-Cookies bis zur Wahlbeeinflussung: Wie Datenhändler Petitionsplattformen nützen.
Der überwachungskapitalistische Komplex ist das Geflecht aus Kapitalgesellschaften wie Google, Meta & Co sowie mit ihnen verbundenen Werbebörsen und Datenhändlern. Sie beobachten unser Verhalten, etwa was wir suchen, lesen, liken oder unterschreiben, aber auch wo wir uns aufhalten. Daraus lässt sich ableiten, wann wir uns wo mit wem getroffen haben. Die so entstehenden Persönlichkeitsprofile werden für gezielte Werbung genutzt, weitergereicht und verkauft – um einzelne Menschen oder ganze Gesellschaften zu manipulieren. Bekannt gemacht hat den Begriff »Überwachungskapitalismus« die US-Ökonomin Shoshana Zuboff, mit ihrem Buch »Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus« (2018).
In einem Cookie-Manager-Screenshot der Petitionsplattform mein #aufstehen Mehr über Petitionsplattformen → Petitionsplattformen im Check finden wir Marketing-Cookies von Facebook Ads und weiteren Werbediensten. Wir greifen uns eines davon heraus: das DSID-Cookie, ein Tracking-Cookie, das von DoubleClick, einer Tochtergesellschaft von Google, bereitgestellt wird. Das DSID-Cookie wird verwendet, um Nutzer zu identifizieren und ihnen personalisierte Werbung zu zeigen. Es verknüpft die Aktivitäten der Nutzer auf verschiedenen Websites mit einem zentralen Google-Konto.
Google sammelt und analysiert diese Daten über Nutzeraktivitäten – einschließlich Suchanfragen, besuchter Websites und Interaktionen. Google monetarisiert diese Informationen durch sein Werbeplatzierungs-System: Werbetreibende bieten auf Anzeigenplätze und erhalten Zugang zu Googles Targeting-Tools, um ihre Zielgruppen präzise zu erreichen.
Nationalistische Strömungen haben bald erkannt, wie wertvoll diese Dienste für ihr Fortkommen sind: Die überraschende Wahl von Trump oder der unerwartete Brexit waren die ersten frühen Anzeichen einer sich anbahnenden Revolution. In Österreich war es Christian Strache, der mit seiner persönlichen Facebook-Seite als erster auch Wahlen gewann. Seitdem ist die FPÖ bedeutender Kunde des überwachungskapitalistischen Komplexes. Bei der EU-Wahl 2019 beispielsweise war sie der größte Google-Werbekunde in Österreich.
Dass dieses Geschäft so profitabel ist, liegt auch daran, dass Privatmenschen und NGOs die Plattformen kostenlos mit Inhalten versorgen oder sogar noch dafür zahlen. Jedes »Folgt uns auf Facebook!« gibt den Konzernen mehr Relevanz. Jeder Follower mehr ist ein Datenpunkt mehr, der an Werbekunden verkauft werden kann. Dabei übersehen die meisten, dass ihre Follower nicht ihnen selber gehören – der Konzern bestimmt, was sie zu sehen bekommen, und kann dies jederzeit nach Belieben ändern.
Quellen
Shoshana Zuboff. Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus Campus Verlag, Frankfurt am Main 2018.
Captain Compliance. DSID Cookie Description 🌐
heute.at. EU-Wahlkampf: FPÖ Google Werbung Ausgaben – Transparenzbericht 🌐
futurezone.at. EU-Wahl: FPÖ liegt bei YouTube-Werbeausgaben voran 🌐
Dieser Artikel ist Teil der
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