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E-Moped-Verbot: Wer verletzt Radfahrer auf dem Radweg?
Das Verkehrsministerium will mit der Novelle die Radwege sicherer machen. Die Unfalldaten 2025 zeigen, wer dort Radfahrer verletzt.
Ab 1. Oktober 2026 gelten E-Mopeds nicht mehr als Fahrräder, sondern als Mopeds, und dürfen nicht mehr auf Radwegen fahren. Ziel der Neuregelung sei es laut Verkehrsministerium, »die Sicherheit auf Radwegen zu erhöhen«. E-Mopeds – BMIMI. Betroffen sind einspurige Fahrzeuge der Klasse L1e-B: rein elektrische Zweiräder ohne Pedale sowie solche mit Pedalen, deren Motor über Gasgriff oder Gashebel auch ohne Treten läuft. Nehmen wir das Ministerium beim Wort und sehen nach, wer aktuell Das aktuellste verfügbare Berichtsjahr der Statistik Austria ist 2025. auf Radwegen Radfahrer verletzt oder getötet hat.
Wer Radfahrer auf Radwegen verletzt
Auf Radfahranlagen – Radweg, kombinierter Geh- und Radweg, Radfahrstreifen, Mehrzweckstreifen und Radfahrerüberfahrt – wurden 2025 in Österreich 1.375 Radfahrer verletzt oder getötet, die den Unfall nicht selbst verursacht hatten. Auswertung der Vollerhebung der Statistik Austria mit der taa. Filter: 2025, Österreich, verletzt/getötet, Radfahranlage (alle), »Verursacht von«. Als Verursacher gilt der Beteiligte, den die Unfallaufnahme als vermutlichen Hauptverursacher einträgt. Wie E-Bikes und muskelbetriebene Fahrräder getrennt werden, steht auf der Erläuterungsseite. Verursacht haben das:
| Verursacher | Verletzte Radfahrer | Anteil |
|---|---|---|
| PKW | 699 | 50,8 % |
| Fahrrad (muskelbetrieben) | 269 | 19,6 % |
| E-Bike / Pedelec | 118 | 8,6 % |
| Fußgänger | 95 | 6,9 % |
| LKW | 89 | 6,5 % |
| E-Scooter | 73 | 5,3 % |
Die E-Mopeds sind in der Zeile E-Bike / Pedelec enthalten, denn 2025 galten sie rechtlich als Fahrräder. Dort teilen sie sich den Platz mit gewöhnlichen Pedelecs, die Fahrräder bleiben. Ob ein Fahrzeug Pedale oder einen Gasgriff hat, erfasst die Unfallaufnahme nicht. Was wir sicher wissen: Weniger als 8,6 % der auf Radfahranlagen verunfallten Radfahrer verdankt dies einem E-Moped.
Selbst diese Obergrenze liegt nur knapp über dem Anteil der Fußgänger. Muskelbetriebene Fahrräder verursachten mehr als doppelt so viele Fälle, PKW fast sechsmal so viele. Getötet wurden 2025 auf Radfahranlagen drei Radfahrer, zweimal durch einen PKW, einmal durch einen LKW.
Auch für Fußgänger auf Radfahranlagen, etwa auf Geh- und Radwegen, ergibt sich kein anderes Bild: Von 142 Verletzten gehen 15 auf E-Bikes zurück, 47 auf muskelbetriebene Fahrräder, je 34 auf E-Scooter und PKW.
Das Bild vom gefährlichen Zusteller
Der ORF hat das Foto oben im April 2025 in einer Bildstrecke über den Wiener Verkehr veröffentlicht. Die Bildunterschrift dazu: »Gefährlich ist auch die zunehmende Präsenz von E-Mopeds auf Wiens Geh- und Radwegen, die zum Großteil auf das Konto der Essenszusteller geht«. Verkehr in Wien: Die Ärgernisse aus vier Perspektiven, news.ORF.at, 16. April 2025. Worauf sich das »gefährlich« stützt, erfahren wir vom ORF nicht. Die Unfalldaten aus der Zeit davor geben es nicht her: Auf Wiens Radfahranlagen verursachten E-Bikes samt E-Mopeds 2024 nur 18 von 476 verletzten Radfahrern, Fußgänger zeichneten für 41 verletzte Radfahrer verantwortlich, E-Scooter für 48. 2025 hat sich die Zahl der von E-Bikes verletzten Radfahrer zwar mehr als verdoppelt, auf 39 von 461. Fußgänger verletzten aber auch 2025 mehr Radfahrer, nämlich 45. taa, Filter: Wien, verletzt/getötet, Radfahranlage (alle), »Verursacht von«. E-Bikes 2023: 12 von 473, 2024: 18 von 476, 2025: 39 von 461. Fußgänger 2023: 38. Also halten wir fest: In Wien wurden auf Radfahranlagen mehr Radfahrer durch Fußgänger verletzt als durch E-Bikes und E-Mopeds zusammen.
Sachlich gerechtfertigt – oder Populismus?
Gemessen am erklärten Ziel ist die faktische Grundlage sehr dünn. Wer die Radwege sicherer machen will, findet in den Unfalldaten ein anderes Hauptproblem: den PKW, der dort die Hälfte der verletzten Radfahrer verursacht, vor allem an Radfahrerüberfahrten. 387 der 699 durch PKW verletzten Radfahrer verunglückten an einer Radfahrerüberfahrt. Dort verursachte der PKW 84,7 % aller Fälle (387 von 457), E-Bikes fünf. taa, Filter wie oben, Verkehrsfläche: Radfahrerüberfahrt. Die E-Mopeds sind mit weit unter 10 % lediglich ein Randproblem.
Die Novelle lässt sich allenfalls rechtlich begründen: Fahrzeuge ohne Pedale, die sich per Schild zum Fahrrad erklären, sind technisch Mopeds und werden nun auch rechtlich so behandelt. Das Ministerium nennt dieses Ziel selber so: »mehr Klarheit« für die Verkehrsteilnehmer.
Bleibt die Frage, warum sich die Regierung dennoch so entschlossen auf diese Gruppe gestürzt hat. Sibylle Hamann beantwortet in ihrer Presse-Kolumne die Frage so:
»Wenn es um eine machtlose Randgruppe geht, die sich garantiert nicht wehren kann, zeigt die Regierung Entschlossenheit. Eine ähnliche Entschlossenheit würde man sich bei anderen problematischen Regelungen wünschen. Allein im Verkehrsbereich fallen mir da die Begünstigungen für Dienstwagen, die Pendlerpauschale, die Subventionen für Agrardiesel oder die Steuerbefreiung für Flugbenzin ein. Oder wie wär’s mit einem Parkverbot für überdimensionierte SUVs, die auf gemeingefährliche Art und Weise anderen Verkehrsteilnehmern, speziell Kindern, die Sicht versperren?«
Fazit
Ich persönlich begrüße die Änderung prinzipiell. Die konkrete Umsetzung führt nun aber dazu, dass beginnend mit Oktober moderne, abgasfreie und platzsparende E-Fahrzeuge massenweise verschrottet werden müssen, weil die gesetzlichen Hürden zur Zulassung praktisch unüberwindbar sind. Laut wien.ORF.at stellt Foodora seine Flotte auf Fahrräder und E-Bikes um; ein Wiener Händler müsse seine Bestände bis Dezember im Ausland verkaufen oder »alles wegschmeißen«, bei Kosten von bis zu 50.000 Euro. Die MA 48 nimmt die Fahrzeuge zur Entsorgung an. E-Mopeds: Letzter Weg Mistplatz, wien.ORF.at, 17. September 2026. Hamann schreibt über die Zusteller: »Jetzt sitzen sie auf wertlosem Plastik- und Elektroschrott. Denn für die Straße sind diese Fahrzeuge nicht zugelassen.« Die Alternative wäre gewesen, sie auf die Fahrbahn zu schicken, aber ohne sofortige Führerschein-, Kennzeichen- und Genehmigungspflicht. Dort hätten diese, in Relation zum motorisierten Verkehr langsameren, Fahrzeuge zur Entschleunigung beigetragen. Doch das war offensichtlich nicht gewünscht.
Das erklärte Ziel, die Radwege sicherer zu machen, wird mit der Novelle jedenfalls nicht erreicht. Dafür hätte man bei PKW und LKW – den Hauptverursachern von Unfällen am Radweg – ansetzen müssen.
Mein Eindruck ist: Der motorisierte Verkehr hat eine Lobby und deren Einflüsterungen waren der Regierung wichtiger als Umweltbilanzen, Nachhaltigkeit oder gar das Schicksal der Essenszusteller. Dass der öffentlich-rechtliche ORF einer marginalisierten Gruppe ein nicht belegtes Gefährdungspotential andichtet, sollte uns besonders zu denken geben.
Quellen
BMIMI. E-Mopeds Informationsseite zur StVO- und KFG-Novelle, abgerufen am 22. September 2026. 🌐
Statistik Austria. Straßenverkehrsunfälle – Vollerhebung Einzelsatzdaten der Unfälle mit Personenschaden, aufbereitet für taa.lantschner.name/stata (Berichtsjahr 2025). 🌐
Ingo Lantschner / taa. Verkehrsunfall-Analyse – Vollerhebung Filterbare Auswertung der Vollerhebung nach Bundesland, Bezirk, Jahr, Gebiet, Radfahranlage und Verkehrsart. 🌐
ORF. Verkehr in Wien: Die Ärgernisse aus vier Perspektiven news.ORF.at, 16. April 2025, Bildstrecke mit Fotos von Christian Öser. 🌐
ORF. E-Mopeds: Letzter Weg Mistplatz wien.ORF.at, 17. September 2026. 🌐
Sibylle Hamann. Bei den Essenszustellern traut sich die Regierung endlich was Kolumne »Quergeschrieben«, Die Presse, 20. September 2026. 🌐
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