Varia

... von Ihrem Expertling für eigentlich eh fast alles.


Zahnkranz wechseln - kann ich das?

Kurz vor dem Urlaub ging’s los: Die Schaltung an meinem Fahrrad ein T100 der „Fahrradmanufaktur“ mit Shimano Kettenschaltung wollte nicht mehr so richtig: Die Kette sprang manchmal nicht über oder rutschte bei festerem Tritt um ein paar Zähne weiter. Ziemlich doof und auch gefährlich, wenn der Antrieb auf einmal auslässt - vor allem im Stadtverkehr.

Erste Versuche die Schaltung über das Rädchen am Schalthebel wieder richtig einzustellen schlugen fehl. Dann war ich auf Reisen und als ich zurückkam viel es mir wieder ein: Der Servicemensch war beim letzten Winterservice etwas entsetzt ob der ausgeleierten Kette. Das wäre schlecht für die Zahnräder, meinte er, aber ein bissl würde der Zahnkranz noch halten.

Beim Beäugen desselben war ich mir dann rasch sicher, dass die Zähne “total im Arsch” sind - vollkommen ungleichmäßig geformt, also abgeschliffen? Naja - ganz so war es nicht. Wie sich später herausstellte, sind die Zähne gewollt ungleichmäßig geformt, um den Schaltvorgang zu erleichtern. Trotzdem waren die Symptome schon recht eindeutig und so machte ich mich auf ins Fachgeschäft. Dort wurde mir ein passender Zahnkranz für wohlfeile 40€ mitgeben plus einem Abzieher für 10€. Die Kettenpeitsche wollt' ich nicht. Ich mag mir die Werkstatt nicht mit lauter Spezialwerkzeug vollräumen.

Werkzeug, um einen Zahnkranz zu wechseln. Abzieher, Franzose (besser wäre ein Gabelschlüssel), Rohrzange Rohrzange Abzieher auf einem ausgebauten Hinterrad liegend

Der Umbauvorgang wäre sehr leicht und schnell gegangen: Rad ausbauen, Abzieher ansetzen und mit der Rohrzange den Zahnkranz fixieren. Dummer weise drehte ich zuerst in die falsche Richtung und zog das Gewinde damit nur noch fester zu. Als ich es dann endlich kapierte, war schon sehr viel Kraft und Präzision nötig. Obendrein hatte ich nicht einmal den passenden Gabelschlüssel (ein 24er!) und musst so mit zwei Zangen jonglieren.

Fazit

Ja ich kann einen Zahnkranz also selber wechseln. Wirklich nötig ist der Abzieher passend zur Kassette. (Wüsste nicht, wie ich den auch noch improvisieren könnte.) Die Kettenpeitsche ist eher nicht nötig (wenn auch vielleicht eine Erleichterung). Eine gute Rohrzange tut es auch, wenn man sie richtig herum ansetzt. Die alte Kassette wird i.A. entsorgt - da ist die Grobheit mit der Rohrzange eh schon wurscht. Die Zahnräder sind so hart, dass die Zange da eher nichts daran kaputt machen kann. Ich konnte trotz meines ziemlich patscherten Starts (natürlich rutscht mensch ein paar mal ab, wenn er zu- statt aufdreht) keine Schäden an der Kassette erkennen.

Wichtig ist die Kette regelmäßig nachzumessen und sie lieber zu früh als zu spät tauschen! Das Messen geht ganz einfach auch mit einer Schiebelehre. Mensch messe einfach die Distanz zwischen 10 Kettengliedern. Ab 120,5mm ist die Kette abgefahren und muss getauscht werden, um Schäden an den Zahnrädern vorzubeugen. Regel für ein langes Ritzelleben: Distanz zwischen 10 Gliedern < 120,5mm – andernfalls die Kette sofort tauschen! Ausführliche Anleitungen zum Kettenlängenmessen gibt’s genug im WWW.

Zwei Monate später

Kleines Update noch zur Idee, statt einer Kettenpeitsche eine Rohrzange zu verwenden: Wie oben geschrieben, kann mensch das machen – dem Zahnkranz schadet das nicht und vor allem wird er danach eh weggeworfen (sonst müsste ich ihn ja nicht tauschen). Vor kurzem hab ich aber entdeckt, dass die Rohrzange leicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sie war halt etwas klein und ich war auch anfangs verwirrt, was die Drehrichtung anging. Also mit einer wirklich großen Rohrzange, eventuell zu zweit und bei Klarheit bzgl. der Drehrichtung würde ich es schon nochmals so machen. Wer einen Zahnkranz öfter wechselt, sollte vielleicht doch in eine Kettenpeitsche investieren.